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Allahaısmarladık, Türkiye!!

Reisetagebuch "Türkei"

22. Sept. 2018 - Tage: 440 km - Gesamt: 11.435 km - Eintrag: Michaela & Udo

Von Küçükkuyu (Türkei/Golf von Edremit) nach Nea Karvali (Griechenland)

Heute heißt es Abschied nehmen von der Türkei. Wir sind recht zeitig unterwegs,  soll es an diesem Tag doch weit nach Griechenland hinein gehen, um den Sprung hinüber auf den Berg Pílion (Pelion) am nächsten Tag locker zu schaffen. Zusammen 770 km - das bedeutet neue Blasen am Po 😉 Auf den ersten Kilometern benimmt sich die D-550 noch so richtig türkisch, bescheidet sich mit zwei Fahrspuren und schraubt sich mit herrlichen „View Points“ an der Flanke des Kaz Dağı (Ida-Gebirges) hinauf auf gute 800 Meter. Am Straßenrand bieten Händler ihre Oliven und eingemachtes Gemüse feil und kleine improvisierte Cafés verführen zur Rast mit Ausblick. Ab Intepe schießt die Straße zu Tal und hält megabreit auf Çanakkale zu. Man hat bereits Tunnelröhren angelegt und so wird der Verkehr wohl demnächst komplett vierspurig durch das Ida-Gebirge schneisen. Nun gut, man muss also künftig ganz auf Nebenrouten ausweichen, um noch die „wahre Türkei“ erleben zu können - jedenfalls im tourismusgierigen Westen des Landes. Ein toller Blick auf die Dardanellen kurz vor Çanakkale, und ich kann mich nicht beherrschen und hüpfe über die Mittelleitplanke der Schnellstraße, um wenigstens ein Erinnerungsfoto schießen zu können. Michaela kommentiert die Aktion mit erhobenem Zeigefinger…

Obst- und Gemüsestände an der D-550 im Ida-Gebirge
Obst- und Gemüsestände an der D-550 im Ida-Gebirge

Wir erinnern uns an den Fährhafen von Çanakkale mit wenig Begeisterung und so entscheiden wir kurzerhand, noch die 30 Kilometer bis Lâpseki auszuharren und erst von dort aus die Fähre nach Gelibolu zu nehmen. Schöner, beschaulicher, lohnender, bekommt man doch dicke Tanker sowie Fracht- und Fährschiffe zu sehen, was immer attraktive Fotomotive bedeutet. Allah, warum machst du heute so dicke Backen? Der Junge hat das ganz große Gebläse angestellt und auf der bereits fertiggestellten Küstenschnellstraße gibt es keinerlei Deckung. Der kleine Fährhafen von Lâpseki befindet sich offensichtlich inzwischen auf dem Weg zu einem maritimen Verkehrsknotenpunkt, jedenfalls ist die Beschaulichkeit nur noch Erinnerung und eine Megaschlange mit LKW und PKW wartet vor dem Fähranleger. Es gibt Situationen, da möchte man das Motorrad mit keinem anderen Fahrzeug tauschen und so schieben wir nach der geringstmöglichen Wartezeit ein Ticket unter die Sichtklappe des Tankrucksacks und rollen an Bord. 

 

Die Dardanellen enttäuschen uns nicht. Die Meerenge zwischen der zu Europa gehörigen Insel Gallipoli und der bereits zu Kleinasien gehörigen nordwestanatolischen Küste verbindet das Marmara- mit dem Mittelmeer und gehört auf 65 Kilometern Länge zu den meistbefahrenen Wasserstraßen der Welt. Viel zu gucken und viel vor Ort zu begreifen, wenn man mal gelernt hat (oder lernen musste), dass am Hellespont bereits im Altertum der Perserkönig Xerxes auf seinem Griechenlandfeldzug mit zwei behelfsmäßigen Brücken übersetzte (480 v.Chr) und ein paar Jahre  später Alexander der Große als Retourkutsche für seinen Persienfeldzug an die 35.000 griechische und makedonische Soldaten über die Meerenge schwimmen ließ (334 v. Chr.). 

Ein paar weitere Jahrhunderte später kam es im Ersten Weltkrieg aufgrund der wichtigen strategischen Lage der Dardanellen zur Schlacht von Gallipoli, in der sich die Entente-Mächte England und Frankreich mit den türkischen Verteidigern die Köpfe einschlugen, was gut 100.000 Soldaten beider Seiten dermaßen schlecht bekam, dass sie ihre Heimat nie wiedersahen. In Australien und Neuseeland (under British command) wird der vielen Toten heute noch im Rahmen des „ANZAC Days“ (Australian and New Zealand Army Corps) gedacht, in Form von Militärparaden, versteht sich, sonst könnte man ja aus der Vergangenheit etwas lernen. Ein schrecklicher Gedanke…

Blick auf die Dardanellen kurz vor Çanakkale
Blick auf die Dardanellen kurz vor Çanakkale

Äußerst interessant ist übrigens noch folgendes Großprojekt der Türkei (Wir sprachen über Erdoğans Neigungen…). Von Lâpseki nach Gelibolu wird in naher Zukunft die wohl bis dahin längste Hängebrücke der Welt die Dardanellen überspannen und den Besatzungen der Fährschiffe die Arbeitsplätze rauben (geplante Fertigstellung 2023). Staatspräsident Erdoğan nennt das Projekt „Çanakkale 1915 Köprüsü“, die 1915er-Brücke und feiert den damaligen Sieg der Verteidiger gern als Sieg des Islam über die westlichen „Kreuzfahrer“. Ich lasse das mal völlig unkommentiert so stehen…

 

Der Rest des heutigen Türkeiabschieds ist schnell erzählt: Über Keşan erreichen wir die D-110, die uns auf glattem Asphalt (Das kennen viele Türkeifahrer noch ganz anders…😨)zum türkisch-griechischen Grenzübergang bei Ipsala bringt. Inzwischen bestens durchorganisiert sind wir auf der türkischen Seite in einer halben Stunden durch. Die Griechen brauchen etwas länger und die Herren Passkontrolleure behandeln einen wie gewohnt hochnäsig und herablassend. Ich erlaube mir, die an dieser Stelle eigentlich angebrachten Sätze einreisenden EU-Bürgern gegenüber laut hinauszurufen: „ Welcome to Greece. Have a nice trip!“ - „Thank you, Sir!“ 

Das sitzt! Der junge Officer wäre vor Begeisterung fast aus seinem Kabuff gesprungen…

Autofähre von Lapseki nach Gelibolu
Autofähre von Lapseki nach Gelibolu
Dardanellen: Dicke Pötte auf dem Weg vom Mittel- zum Marmarameer
Dardanellen: Dicke Pötte auf dem Weg vom Mittel- zum Marmarameer

Schluss, aus und vorbei! Unser Reiseblog „Türkei“ (TransTurkey) endet exakt an der Grenze. Wir sind inzwischen auf dem Pílion angekommen, haben beim Reisekilometerstand von 11.860 km die Bikes abgestellt und machen Urlaub.

 

Zwei Tage lang ging das gut, dann kam eine Schlechtwetterfront über dem Mittelmeer am Pagasitischen Golf (auch Golf von Volos) an, die uns auch heute noch (Stand: Do, 27.09.18) bespaßt. An der Westküste Griechenlands toben Unwetter bereits dermaßen heftig, dass die Fährschiffe Schräglage bekommen und nicht mehr ablegen dürfen. Und daheim in Deutschland sonnen sich die Menschen bei 24 Grad. Aber neee, wir Menschen haben nicht am Wetter gedreht. Und der Klimawandel ist auch bloß eine Erfindung von Öko-Knechten und Bio-Bauern. Klar doch! Weitermachen und kräftig in den Urlaub fliegen. Tausend Starts allein in Frankfurt/M. — jeden Tag!! Hömma, so lange dat noch so billig is… (Kerosin wird immer noch nicht besteuert!) Oh, Leute, jetzt hör’ ich auf. Sonst liest kein Mensch mehr diesen Blog… 😅

 

Danke Euch und Ihnen allen für die schönen Reisewochen, für Eure/Ihre Lesetreue, fürs Dabeibleiben über 49 Blog-Artikel.(!!)

 

Macht’s gut, bleibt uns gewogen und kauft mal wieder den TOURENFAHRER. Am Kiosk ist derzeit Heft 10/2018 mit dem ersten Teil unserer ELBE-Geschichte. Im November folgt der zweite Teil und im Dezemberheft nehmen wir Euch mit an die Côte d’Azur.

 

Es gibt also weiterhin guten Lesestoff…

 

Beste Reisegrüße und „big hugs“ von

 

Michaela & Udo

Dardanellen: Ankunft im Fährhafen Gelibolu
Dardanellen: Ankunft im Fährhafen Gelibolu
Noch einmal Menemen in Gelibolu (= türkisches Rührei mit Tomaten, Käse und scharfer Wurst)
Noch einmal Menemen in Gelibolu (= türkisches Rührei mit Tomaten, Käse und scharfer Wurst)
Fischerhafen von Gelibolu
Fischerhafen von Gelibolu

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