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Über die Kurische Nehrung

Reisetagebuch Bernsteinstraße   13. August 2018 - Tag: 172 km - Gesamt: 3267 km - Eintrag: M&U

Von Kaliningrad (Russische Föderation) nach Palanga (Litauen)

 

Es kann nicht nur Sonnenschein geben - auch nicht an der Bernsteinstraße. Die Hitzewelle der vergangenen Wochen findet an der Baltischen See offensichtlich ihr Ende. Die Temperaturen sind deutlich rückläufig und unterwegs gibt es immer wieder kräftige Regenschauer oder zumindest Nieselregen. 

Nach einer erholsamen Nacht im IBIS Kaliningrad und mit einem frischen Paket Rubel in der Tasche (Geldautomat im Hotel funktioniert tadellos mit VISA-Karte und Pin) rollen wir in frisch gewaschenen und gut riechenden Enduroklamotten vom Parkplatz und direkt hinein ins russische Abenteuer Verkehr und Orientierung. Die OSM-Karte (Open Street Maps) zeigt mit dem von mir geplotteten Route nach Nida an der Grenze zu Litauen auf gut Deutsch gesagt einen "Sch...ßdreck" an und will uns permanent zurück ins Stadtzentrum führen. Glücklicherweise navigiert Michaela parallel dazu mit einem TomTom und regulärer Europakarte, was wesentlich erfolgsversprechender ist. Ohne Karambolagen, aber bereits klatschnass erreichen wir die Ausfallstraße A191 und 25 Kilometer später die Stadt Zelenogradsk (Dtsch. Cranz) - das Eingangstor zum Nationalpark Kurische Nehrung. Am Ortsausgang der relativ modern aufgebauten Stadt mit Wohnhausblöcken aus der Post-Sowjetzeit gilt es, an einem Checkpoint eine Gebühr für das Betreten des Nationalparks zu entrichten. 450 Rubel - das entspricht knappen 6 Euro für zwei Bikes mit Fahrern; also harmlos! Ein paar Stunden später werden uns die Litauer an der Grenze 10 Euro abknöpfen, weil sie bereits dürfen, wovon die Exklave Kaliningrad noch träumt...

Weiter geht es durch endlose Kiefer- und Birkenalleen mit sporadischem Zugang zu den endlosen Stränden der Nehrung. Diese muss man aber auch wirklich suchen und wahrnehmen, sonst wird es nichts mit dem Blick aufs Meer und auf Russen, die trotz des Regens und vergleichsweise niedriger Temperaturen im Meer baden... 

 

Wir haben bereits im Hotel die Ausreiseformulare für den russischen Zoll ausgefüllt (bei der Einreise blanko mitgenommen...😉) und hoffen, an der Grenze nur eine knappe Stunde zu brauchen. Hmmmh - der Mensch denkt, der Russe lenkt. Der Grenzbeamtin gefallen unsere Motorräder so gut, dass sie auf die Kontrolle des Gepäcks völlig verzichtet und bei der Passkontrolle stößt man sich lediglich daran, dass wir vor Jahren schon einmal ein russisches Visum haben eintragen lassen, aber offensichtlich dafür kein Vermerk im russischen Zentralcomputer vorliegt. Kann ja auch gar nicht, denn wir mussten damals 2012 die Reise abbrechen, weil Michaelas BMW GS 650 bereits in Österreich havarierte. Keine guten Erinnerungen...

Immer wieder faszinierend für russische Beamte sind offenbar die Visa aus den islamischen Ländern Aserbaidschan und Iran, die minutenlang studiert werden. Uns soll's recht sein - es gibt jedenfalls keine Probleme, unsere vorbereiteten Papiere benötigen wir nicht und auch die "Kollegen" an der litauischen Grenze sind friedlich aufgelegt. Weiterreise erklären, kurzer Bike-Check, Stempel, Nationalparkgebühr und ab geht's!

 

Pause in Nida. What a change! Das nenne ich vergleichsweise norddeutschen Bädertourismus, wie man ihn von der Nord- und Ostseeküste her kennt. Da haben die Litauer gut hingeschaut und schnell gelernt, wie man aus der letzten Kate im Dorf schnell und teuer ein Apartmenthaus macht. Drum herum Lokale, touristische Infrastruktur mit Hotels und Bootsausflügen am Anleger und schon sind sie wieder da: die deutschen Ausflugsbusse von Wilhelm- und Wernerreisen, das horngestellbebrillte Graukopfgeschwader aus Schnackdorf und Buxtebude, ach, es ist fast wie daheim!

Etwas weiter in Juodkrantė beginnt diese Entwicklung gerade ganz sanft, aber mit Kleipėda endet sie auch schon wieder. Eine Fähre schippert uns durch den Industriehafen der alten deutschen Handelsstadt Memel und es tut uns leid, dass wir aufgrund der mit der Zeitverschiebung bereits vorgerückten Stunde die unter Denkmalschutz stehende Altstadt Memels nicht mehr würdigen können. Mit dem Eintreffen in Palanga (dtsch. Polangen) reißen endlich die Regenwolken vollends auf und eine mildes Abendlicht versöhnt mit dem verregneten Tag. 

Einchecken, abladen, auspacken, duschen - und sich an der schönen Suite freuen, die das Hotel "Best Baltic" für uns bereithält. Wir beschließen noch in der Nacht, einen Tag länger zu bleiben. Schließlich muss man ja irgendwann diesen Blog schreiben und natürlich auch mal auf Kultur machen (Bernsteinmuseum) und die liebste Frau ausführen. Nee, nee - Michaela hat kein Abendkleid in der Packtasche 😂.

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Kommentare: 2
  • #1

    Lustiges Tütchen (Mittwoch, 15 August 2018 14:37)

    Haaalllooo , das kleine Schwarze passt überall rein .....oder Du kaufst es einfach. Super Blog , tolle Geschichten u. schöne Erlebnisse wünschen wir Euch weiterhin auf Eurer Reise, es grüßen herzlichst ,, die heißen Fluppen ``

  • #2

    Gisela Stamm (Freitag, 17 August 2018 10:54)

    Hallo Ihr Beiden, Danke für die interessanten und unterhaltsamen Reiseberichte. Wir wünschen Euch noch eine gute Reise bei möglichst vielen trockenen Tagen (natürlich nur was das Wetter betrifft)�. Freue mich schon auf den nächsten Blog den wir dann wohl in Südtirol lesen. Liebe Grüße Gisela und Martin ���

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