Türkei-Reise, Teil 6: Von Dalyan über Fethiye nach Patara

Wer ist schneller? - Ureinwohner Dalyans, die Caretta caretta-Meeresschildkröte
Wer ist schneller? - Ureinwohner Dalyans, die Caretta caretta-Meeresschildkröte

Sonntagmorgen am Dalyan-Fluss. Wir fangen ein paar schöne Motive ein, nutzen das weiche Morgenlicht für Aufnahmen von den Felsengräbern und vom langsam erwachenden Leben am Fluss. Beschauliche Szenen, die nach der Hektik des gestrigen Abends wie Balsam wirken. Gegen elf sind wir wieder auf der Bahn, und die gut ausgebaute 400er Landstraße bringt uns zügig über den anspruchslosen Göcek Gecidi-Pass nach Fethiye

Flüssigkeit tanken in Fethyie
Flüssigkeit tanken in Fethyie

Irgendwas ist in den letzten paar Jahren, in denen wir uns primär im Hinterland der Türkei herumgetrieben haben, an uns vorübergegangen. Gab es da einen Staatsvertrag zwischen den Türken und den Engländern in Sachen Okkupationsrecht an lykischen Küsten? Und dürfen die Briten jetzt wieder ungestraft ihrem Hang zur Kolonialisierung nachgehen? Fethiye ist jedenfalls alles, nur nicht türkisch. Und das kann einem wirklich mächtig auf den Geist gehen, wenn sich halb Birmingham und Manchester tattoogeschmückt durch die Straßen wälzt. Wir folgen dem touristischen Falkland-Feldzug noch bis hinab zum Einstieg zur einstigen Traumlagune Ölüdeniz, dann reißt der Geduldsfaden laut hörbar und Michaela muss sich die Ohren zuhalten. An den blendend-weißen Stränden (eigentlich wunderschön!), die der Lagune vorgelagert sind,  geht jetzt im August dermaßen die Post ab, dass man einen hohen Zaun gezogen hat und die Zufahrt zur Lagune zeitweise gesperrt wird, weil man dem Besucherandrang nicht mehr Herr wird. 

Weitläufige Strände bei Ölüdeniz
Weitläufige Strände bei Ölüdeniz
Gleitschirm-Dorado Ölüdeniz
Gleitschirm-Dorado Ölüdeniz

Wir beobachten eine Zeit lang die Fahrkünste von ein paar völlig abgedrehten Crossern, die sich auf dem Hinterrad einen Weg durch den Verkehrsstau suchen, bewundern (und beneiden) die Freiheit der Gleitschirmflieger, die zu Dutzenden über der berühmten Lagune kreisen (um sich anschließend in einer der vielen angesagten Cafés ihr Flugabenteuer GoPro-gefilmt auf DVD brennen zu lassen), suchen ein halbwegs ruhiges Plätzchen in den Gassen der Ortschaft Ölüdeniz und beschließen kurzerhand, das Kapitulationsfähnchen zu hissen und im wahrsten Sinne des Wortes das Weite zu suchen.

Zwei Liter Wasser, ein frisches T-Shirt (Tagesverbrauch x 4) und nichts wie weg…

 

Ein paar Kilometer weiter dreht die 400er Landstraße direkt auf Kurs Süd und folgt bis hinab nach Patara dem Flusstal des Eşen Çayı.Wir haben von Tlos gelesen, einer Ruinenstadt auf einem Bergkegel hoch über dem Tal, deren Ursprünge bis in die Hethiterzeit ins 14. Jhd. v. Chr. zurückreichen. Das hethitische Dalawa wurde später das lykische Tlava und seine bevorzugte und strategisch einmalige Lage machten die Festungsstadt so mächtig, dass sie im lykischen Städtebund ein dreifaches Stimmrecht besaß und von den Römern ehrfurchtsvoll als „glänzendste Metropolis der lykischen Nation“ betitelt wurde. 

 
Hinauf zur Ruinenstadt Tlos
Hinauf zur Ruinenstadt Tlos
Tlos im grellen Gegenlicht - leider!
Tlos im grellen Gegenlicht - leider!

Das Bergsträßchen weist eine beachtliche Steigung auf, holpert löchrig durch ein paar allahverlassene Siedlungen, deren Bewohner Straßenstände mit Obst und Oliven aufgebaut haben, wohl in der Hoffnung, dass doch der eine oder andere Fremde anhalten und etwas einkaufen möge. Am heutigen Sonntag sicherlich nicht, denn ganz oben auf dem Berg haben schlaue Investoren direkt neben der mauerbewehrten Ruinenstadt Tlos eine Art Vergnügungspark angelegt und da wollen offensichtlich alle hin und stauen sich bergauf. Oben angekommen haut es uns fast vom Motorrad: Eine Hochzeitsgesellschaft feiert mit dem glücklichen Paar tanzend auf der Straße, alle johlen und klatschen, fotografieren, singen mit. Das ist so schräg, dass es schon wieder gut ist.

 

Ein paar Engländerinnen (tut mir leid, aber es SIND nun mal die Lieben von der Insel) haben alle landesüblichen Verhüllungen fallen lassen und stehen im Bikini (!!) rauchend neben dem bunten treiben und rufen „Yeah, yeah!“ - Daneben sitzen türkische Frauen mit Kopftuch und staunen. So was nennt man dann wohl Kulturkontraste. Also ehrlich… 

 

Die MairDumont-Straßenkarte entpuppt sich bei unserem Versuch, durch die bis 3000m aufragende Bergwelt des Taurus einen Weg zurück zur Landstraße 350 zu finden, als kartographisches Meisterwerk. Wir verstehen sie nicht, die Türken in den Dörfern Kadiköy und Kayacık verstehen sie noch weniger und das Navi zeigt Niemandsland. Irgendwann geht der löchrige Asphalt des Bergpfades in faustgroßes Schottergestein über und Michaela ankert kompromisslos ihre kleine GS. Zurück marsch, marsch! So sehen wir also noch einmal die herrlich gelegene Burgruine von Tlos, winken ein weiteres Mal zu den lykischen Felsnekropolen hinauf und kommen mit erheblicher zeitlicher Verzögerung im lykischen Xanthos an. Doch jedes Ding hat bekanntlich zwei Seiten: Es sind kaum noch Besucher auf dem Grabungsgelände der einstigen lykischen Hochburg, deren Grabmonumente so bedeutende Zeugen einer ansonsten recht rätselhaften Kultur sind, dass Xanthos seit der Wiederentdeckung durch den englischen Archäologen Sir Charles Fellows zum Weltkulturerbe der Vereinten Nationen gehört. 

 
Durch die Bergwelt des Taurus
Durch die Bergwelt des Taurus

Xanthos - Weltkulturerbe der UNESCO

Ruinen von Xanthos
Ruinen von Xanthos

Und noch etwas ist schön: Wir dürfen den Weißabgleich der Digitalkameras dem weichen Licht der Abendsonne anpassen und schlendern zufrieden vom halb zerfallenen Theater hinüber zum Harpyienmonument, einem fünfeinhalb Meter hohen bedachten Monolithpfeiler, dessen Seitenreliefs mit Fruchtbarkeitssymbolen (Hahn, Ei, Granatapfel) und Sagengestalten (Harpyien - halb Frau, halb Vogel) verziert sind. Unter Archäologen gelten diese Harpyien als besondere Zeugnisse lykischer Bildhauerkunst. Gleich daneben thront in gleicher Höhe ein Grabhaus, ein mächtiger Sarkophag mit Spitzbogendeckel, den die Lykier auf einen massiven vierkantigen Pfeiler setzten. Beide Konstruktionen sind einmalig und gelten als die Wahrzeichen von Xanthos. Noch heute sind sich Wissenschaftler nicht einig, was die Lykier mit ihren auffälligen und in Kleinasien einmaligen Bestattungshäusern und Felsgräbern bezweckten: Schutz der Toten, Nähe zu den Göttern oder zur aufgehenden Sonne? Auffällig ist, dass viele Felsengräber und Totenhäuser eine Art Fachwerkkonstruktion als Fassade aufweisen, die an Speicherhäuser erinnert, so als wollte man bedeutenden Toten Vorräte für das Totenreich mit auf den Weg geben…

 
Lykisches Harpyienmonument und Pfeilersarkophag von Xanthos
Lykisches Harpyienmonument und Pfeilersarkophag von Xanthos
Xanthos - mehr als Geschichte... - Blick auf das römische Theater
Xanthos - mehr als Geschichte... - Blick auf das römische Theater

Der Tag hat bereits sein Licht verloren, als sich die Scheinwerfer unserer Enduros nach Patara hineintasten. Hier scheint jedes zweite Haus eine Pension oder ein Restaurant zu sein und dennoch wirkt die recht zerstreut angelegte Siedlung unweit der berühmten Stranddünenlandschaft recht cool und relaxed. Die Menschen sitzen auf heimelig illuminierten Dachterrassen, schlendern locker durch die Straßen, wirken angenehm entspannt. Das Attribut „Geheimtipp“ ist im Falle Pataras offensichtlich schon längere Zeit Vergangenheit und so suchen wir fast eine Stunde lang, bis wir endlich Mustafa kennenlernen. In seiner gepflegten „Saint Nicholas Pension“ gibt es noch ein freies Zimmer, seine Frau(en) in der Küche verstehen ihr Handwerk bestens und für den übernächsten Tag verspricht der Wirt einen spannenden Bootsausflug zur Inselwelt Kekovas und zum nur übers Wasser zu erreichenden antiken Simena. Ja, wunderbar! Deutlich hörbar klacken die Seitenständer…

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Kommentare: 2
  • #1

    rici (Donnerstag, 23 Juli 2015 17:06)

    Das Ferienparadies Fethiye


    Die Stadt Fethiye liegt in der Türkei und ist bildhübsch anzusehen. Man kann hier einmal den Blick von der Meeresbucht auf die Stadt werfen, die im Südosten der Meeresbucht liegt und andersrum. Einst war es eine Ortschaft, in der Gemüse, Chromerzen und Fisch verkauft wurde, um Gewinn zu erreichen. Dieser Tage kommen ausreichend Urlauber in diesen Teil der Türkei und sorgen für ausreichend Einkommen. Die Stadt hat einen sehr guten Charme, auch wenn inzwischen viele Hotels und Feriensiedlungen gebaut wurden.
    Die Touristen müssen auf jedweden Fall den Strand Öludeniz besuchen, denn da wird man das herrlichste blaue Wasser der Türkei vorfinden. Man kann zum Tauchen gehen, man kann sich weiteren Wassersportarten zuwenden oder schlicht nur am Badestrand liegen. Der Strand ist auf keinen Fall weit von der Stadt entfernt. Dazu ist die Bucht von Bergen umgeben und einer, der Vaterberg, ragt sogar mit seinen 1969 Metern aus dem Meer heraus.

    Wer in Fethiye Urlaub macht, kann recht viel erleben. Ob man derbei den Badestrand von Calis benutzt, ob man den antiken Stadtkern besucht. Der Urlauber kann die Moschee Eski Cami aufsuchen, ein kleines Museum bestaunen oder demgegenüber auch ein Hamam besuchen. Anderweitig gibt es im Stadtzentrum viele Geschäfte, wie Teppichhändler, Juweliere und mehr.
    Man kann auf den Marktplatz, auch Basar genannt, Bekleidung, Gemüse und Obst, Haushaltsartikel und mehr erkaufen. Wer mag, kann lykrische Felsengräber besuchen oder das Hellistische Theater. Am Hafen gibt es noch etliche alte Holzboote und selbst neue Fischerboote, die einen tollen Blick bieten. Im Hafen bietet sich auch die Gelegenheit, selbst an Touren mit Doppeldecker Booten teilzunehmen und so noch mehr von der Türkei zu erblicken. Wenn Sie noch mehr über Fethiye erfahren wollen, besuchen Sie doch unmittelbar www.fethiyee.de An dieser Stelle warten gebührend Informationen und Bilder auf Sie!

  • #2

    datenraum software (Donnerstag, 10 November 2016 15:13)

    Toll! Danke. Sie haben mir eine gute Idee gegeben. Jetzt will ich das auch unbedingt machen. Habe gerade viel Zeit frei weil mein Business viel erfolgreicher mit VDRs geworden ist.

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