Und am Ende steht wieder der Ararat...

Miyaneh - Bazargan: 440 km

Bewacht die Grenze Iran-Türkei: der Ararat
Bewacht die Grenze Iran-Türkei: der Ararat

Den iranischen Frühstückspreis wird das Hotel Solmaz in diesem Jahr sicherlich nicht mehr gewinnen - aber immerhin gibt es ein Stückle Butter, ein Stückle Schafskäse (Ja, mir Schwobe zählet da genau mit...), ein Schälchen Marmelade und Bügelbrettbrot - wie Michaela das ausgewalzte, ungesalzene iranische Fladenbrot getauft hat. Der Cay kommt aus englischen Teebeuteln... Aber hallo, Mister, nebenan habt ihr die Türkei und täglich gehen bei Bazargan an die 5000 LKW über die Grenze - und da soll nicht ein Plätzchen für echten Schwarzmeerküsten-Cay frei sein?

 

Der Rest ist erfreulich: Allah hat die Mopeds gut bewacht und die üblicherweise auf der Route nach Tabriz genussvoll vor sich hindieselnden LKW halten sich heute bis auf die Höhe von Bostanabad angenehm zurück. Wir haben daher den Blick frei auf die beeindruckende Kulisse der Kuh-e Bozqush- Berge im Osten der Route, genießen deren Anblick im milden Morgenlicht, bevor uns das dichte Verkehrsgewühl rund um die Millionenstadt Tabriz gefangen nimmt und volle Konzentration verlangt. Eine gute Stunde später pausieren wir in Sufiyan bei einem kleinen Straßenkiosk und können ruhigen Gewissens für uns in Anspruch nehmen, die schnellsten Bekanntschaften des Orients geschlossen zu haben. Bei 100 Sachen dockten soeben die Jungs in ihren Peugeots und Hyundais (Schreibt man das so? Mein Koreanisch ist bescheiden...) neben uns an und brüllten die üblichen Kontaktphrasen aus dem Seitenfenster. Grinsen, Daumen hoch und unter wildem Gehupe weiterfahren. Oder vorneweg, hinterher und das Handy dreht noch ein Filmchen von den Exoten, die mit zwei Motorrädern durch den Iran reisen - wo man doch jetzt endlich Autos hat... Ganz lieb haben, aber manchmal ein bisschen eng! ;-)

Na? Biste wach?
Na? Biste wach?
Sag nicht Esel zu mir...
Sag nicht Esel zu mir...

Der Streckenabschnitt Marand bis Margan am Flusslauf des Zarman Cay entlang gehört wohl mit zum Besten, was einem der Norden des Iran bescheren kann: Busenberge in allen Variationen und Brauntönen, abgeschmeckt mit dem saftigen Grün eines fruchtbaren Flusstals, dazwischen getupft vereinzelt Dörfer und Gehöfte mit sierrabraunen Lehmhäusern, intakter und landwirtschaftlich erfolgreicher als die oftmals desolaten Siedlungen im Süden des Landes. Wenn Landschaft den Begriff der Harmonie für sich in Anspruch nehmen kann, dann hier im Norden Azarbayjans, wie die Region auf Persisch heißt. Wir belassen es heute zumeist bei einem Augenschmaus und machen deutlich weniger Fotopausen, denn die rund 450 km Landstraße bis zur Grenze wollen abgeritten werden, im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Coming home..
Coming home..
Bauernhof im Zarman Chay-Flusstal
Bauernhof im Zarman Chay-Flusstal

In Maku gibt es das Hotel "Tourist Inn", schön versteckt in einem Hinterhof gelegen, so dass wir ohne den "Lift" eines freundlichen Einheimischen in jedem Fall am Eingangstor vorbeigebraten wären. Doch oh höre und staune: "We are full!" Allah, was haben wir falsch gemacht? Also weiter bis direkt an die Grenze nach Bazargan - und genau das hatten wir eigentlich verhindern wollen, birgt doch jeder Grenzort in dieser Region diesen Galgen- vogelcharme mit Devisenhändlern, windigen Typen und rotzfrechen Jugendlichen, die mit ihren Mopeds überall sind und alles sehen, was sie nichts angeht. "Hello Mister!", tönt es prompt vom Ortseingang bis zur Stadtmitte mehrstimmig fahrtbegleitend und auch im Dritten noch locker mithaltend. Dabei sitzen die Kameraden teilweise zu dritt auf diesen Dingern und brettern ungefedert durch Schlaglöcher, da würde unsereins seine Ei... verlieren. Nein, das ist nicht ordinär, sondern Teil der Nahkampfausbildung, die man als Motorradfahrer auf iranischen Straßen genießt...

 

Pause in Sufiyan
Pause in Sufiyan

Ende gut, "Hotel Shahrya" sogar sehr gut (GPS: N 39°23.676' // E044°23.301'). Zwar senkt die Küche den iranischen Notendurchschnitt und Teekochen klappt selbst hier in direkter Grenznachbarschaft nur auf Beutelbasis, aber ansonsten haben die jungen Hoteleigner eine Nase fürs Geschäftliche bewiesen, denn der Laden scheint recht gut zu laufen. Dusche, Klo und Wasserhähne funktionieren und das Zimmer hat sogar eine Klimaanlage, und nur die (das wollte ich vorher als Öko-Vertreter ja nie wahrhaben...) garantiert in einem tagsüber mächtig aufgeheizten Hotelzimmer eine einigermaßen erholsame Nacht. Der letzte Blick am letzten Iran-Reisetag gilt dem Tripmaster: Über 9000 Reisekilometer stehen auf der Uhr - 5500 davon im Iran. Und auf der Heimreise warten nochmals knapp über 3000 Kilometer auf die Enduros. Den Preis dafür zahlen zwar unsere Hintern, die fortan "Old Leatherhand" gerufen werden wollen, doch

bedanken sich herzlich die Augen für knapp fünf Wochen Bilderflut ohne TV. Richtig "live" und mit Haut und Haaren dabei.

Vielleicht ist das die einzige Methode, die verhindern kann, dass wir Tage später im türkischen Osmancik in einer Cay-Kneipe TV-Bilder von fäusteschwingenden Glatzen ertragen müssen, die wütend gegen eine Überhand nehmende Islamisierung Deutschlands protestieren. Aber das Geistige kam in der rechten Szene ja immer schon entschieden zu kurz... Der Bericht des türkischen Fernsehens ging übrigens über gute fünf Minuten. So schafft man erfolgreich ein negatives Deutschlandbild, meine Herren Stiefeltreter, da können wir Reisejournalisten uns die Finger wundschreiben...

Direkt am Ararat: Grenzübergang Bazargan
Direkt am Ararat: Grenzübergang Bazargan

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Kommentare: 1
  • #1

    Hossein (Montag, 26 August 2013 19:02)

    Dear Udo and Michaela

    Once again i want to say my best regards to both of yours
    And hope to see you soon again in Iran

    Rafe ride!

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