Yazd – die 1000 und zweite Nacht

Ein Ruhetag in der Stadt der Windtürme

Meydan-e Mir Chaqmaq – Moschee
Meydan-e Mir Chaqmaq – Moschee
Innenhof des Laleh-Hotels
Innenhof des Laleh-Hotels

„Wenn Du eine Frau suchst, die Dich gut bekocht, nimm eine aus Tabriz. Suchst Du eine, die Dich verzaubern soll, nimm eine aus Shiraz. Suchst Du eine, die treu ist, so heirate eine Frau aus Yazd.“ (iranisches Sprichwort)

Als Mann bleiben mir solche Weisheiten natürlich im Gedächtnis haften. Sie erklären auf einfache Weise, warum ich mir in Shiraz mehr als einmal den Hals verrenkt habe und warum uns die Menschen in Yazd vom ersten Augenblick an so sympathisch sind. Ein überraschend cooles Verkehrsgebaren, Taxifahrer, die einen bereitwillig durch die Altstadt lotsen und dafür jeden Rial ablehnen, ein mehr als warmherziger Empfang in dem Traumhotel „Laleh“ inmitten der Lehmhäusergassen des alten Yazd (GPS: N 31°53.221 // E054°22.274). Und die Menschen haben einen ausgeprägten Sinn für Humor, was uns im Übrigen bei Iranern immer wieder angenehm auffällt: Scherzen, Lachen und gemeinsam Spaß haben steht im gesellschaftlichen Umgang mit Iranern ganz vorne an, und wer als „Tourist“ auf diesem Klavier spielen kann, der hat gewonnen. Das „Laleh“ zählt zu den traditionellen Gasthäusern im Iran, wurde innerhalb der Mauern des früheren Wohnhauses der reichen Familie Golshan sorgfältig restauriert, wobei man sich alle Mühe gab, den historischen Charakter des Hauses zu bewahren.

Windtürme kühlen einen Wasserspeicher
Windtürme kühlen einen Wasserspeicher

So befinden sich die mit alten Holztüren verschlossenen klimatisierten Zimmer auf zwei Stockwerken innerhalb eines weitläufigen Ganglabyrinths, flankiert von mehreren großen Innenhöfen mit Emporen, Teemöbeln, grünen Pflanzbeeten und plätschernden Pools. Gegen Abend zu wird das ansprechende Ensemble romantisch illuminiert, übergroße Windmaschinen fächeln kühle Luft in die Höfe und auf einem Buffettisch kann man sich mit Tee und einer traditionellen Suppe bedienen. Die Karte des hoteleigenen Restaurants ist klein, aber fein und so ist alles gerichtet, um nach harten Fahrtagen aufzutanken und sich wieder einmal so richtig verwöhnen zu lassen. Einzig die Liebhaber eines guten Glases Wein oder eines kühlen Biers werden etwas vermissen, wenn sie nicht – wie in unserem Fall – längst zu überzeugten Istak-Liebhabern konvertiert sind…

Altstadtgassen in Yazd
Altstadtgassen in Yazd

Ausschlafen ohne Oropax – und prompt ist es nach zehn, bis wir vom Frühstück zurück sind. Fotografisch betrachtet ein „No go“, also verlegen wir die Stadterkundung auf den frühen Nachmittag. Die Wüstengroßstadt Yazd (immerhin 700.000 Einwohner) ist wesentlich ruhiger und beschaulicher als andere iranische Großstädte. Wir bummeln durch endlose Altstadtgassen mit dunkelbraunen Lehmhäusern, viele davon halb zerstört oder mit armdicken Mauerrissen gefährdet. Hier und dort erkennt man das Bemühen um Restauration bzw. kompletten Wiederaufbau, doch insgesamt scheinen die Einwohner von Yazd aus der traditionellen Altstadt eher zu flüchten. Ganz markant und typisch für Yazd sind die zahlreichen Windtürme, die oft um einen kuppelförmigen Wasserspeicher oder um größere Wohnhäuser herum stehen, um Wasservorräte zu kühlen oder als eine Art „Air-Conditioning“ zu fungieren.

Das "Naql" für Trauerprozessionen
Das "Naql" für Trauerprozessionen

Beeindruckend sind die Moscheen von Yazd. So wird die Meydan-e Mir Chaqmaq – Moschee von einer breiten Portalfassade dominiert und piekst zwei unverschämt spitze, über 50 Meter hohe Minarette in den blassblauen Nachmittagshimmel. Auf dem Vorplatz steht ein Holunikum, dessen Funktion sich erst nach dem dritten Hinschauen erschließen lässt. Das sogenannte „Naql“ wird bei der Trauerprozession am 10. Muharram mit schwarzen Tüchern, Bannern und mit dem Portrait des Imam Hossein geschmückt und dann von gut gebauten (!) Trägern durch die Stadt getragen. Dass die Armen sich beim Tragen ständig ablösen müssen, weil sie ansonsten die Bandscheiben ruinieren, ist Teil des Konzepts, denn es gilt, das Martyrium Hossein „nachzuempfinden“, besser wohl „nachzuleiden“…

Brunnen vor der Meydan-e Mir Chaqmaq – Moschee
Brunnen vor der Meydan-e Mir Chaqmaq – Moschee
Minarette der Meydan-e Mir Chaqmaq – Moschee
Minarette der Meydan-e Mir Chaqmaq – Moschee

Richtig atmosphärisch wird es beim Betreten des Gebet-Iwans der Jame-Moschee, einer Freitagsmoschee, wie das Wort „Jame“ bereits sagt. Schon das reichlich mit Fliesen und Mosaiken verzierte Eingangsportal lässt den Kopf für lange Minuten in den Nacken fallen und als mich die Männer auf den Gebetsteppichen noch in den Innenraum des achteckigen, halboffenen und reichlich dekorierten Kuppelsaals winken, bin ich hin und weg. Michaela muss derweil draußen warten, hat sich aber vorgenommen, die Privilegien der Männer in der islamischen Gesellschaft bei Stadterkundungen nicht mehr zu thematisieren… ;-)

Kuppelsaal der Jame-Moschee
Kuppelsaal der Jame-Moschee

Wir beschließen diesen schönen Tag mit einem Rundgang durch die Altstadt, bestaunen die wunderschön verzierte Kuppel des Rokn-od-Din Mausoleums (Grabstätte des Gründers der Freitagsmoschee von Yazd) und verlieren uns in den Räumlichkeiten der Fazeli-Teppichwerkstatt, wo man für echte Seidenteppiche der besten im Iran erhältlichen Qualität mal locker 2000 Euro über den Tisch schieben darf. Seltsamerweise kann man mit Master- oder Visa-Card bezahlen. Wie das funktionieren soll, wo doch der Iran nicht an das internationale Bankennetzwerk angeschlossen ist und man ansonsten nur Bares auf der Straße tauschen kann, bleibt ein orientalisches Geheimnis…

Ein Teppich passt nicht mehr auf die Kati...
Ein Teppich passt nicht mehr auf die Kati...
Kuppel des Rokn-od-Din Mausoleums
Kuppel des Rokn-od-Din Mausoleums

Nach einem kurzen Bummel durch den vergleichsweise überschaubaren Basar der Wüstenstadt, landen wir unverhofft an einem besonders stimmungsvollen Ort. In einem Mausoleum am Boulevard Salman-e Farsi steht der Schrein des Prinzen Fazel und man hat nichts dagegen, dass zwei Ungläubige eine Weile lang in dem verspiegelten Gebetsraum der Männer und Frauen (getrennt!) innehalten. Allah meint es heute wieder besonders gut mit uns und führt uns auf dem Rückweg durch eine Handwerksgasse, in der wir Bäckern und Gürtelmachern über die Schulter schauen dürfen. „Shab be-kheir“ – gute Nacht. Heute wird es eine ruhigere werden, Allah sei Dank! -

Prinz Fazel-Mausoleum
Prinz Fazel-Mausoleum
Schrein des Prinzen Fazel
Schrein des Prinzen Fazel

Basar von Yazd
Basar von Yazd

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Kommentare: 3
  • #1

    Hossein (Sonntag, 18 August 2013 08:05)

    Hi dear Frineds

    I am enjoying to see your great photos but i cant read your reports couse it is in German
    but i like the photos instead

    wish you all the best

    Hossein :-))))))

  • #2

    Matthias Last (Dienstag, 20 August 2013 15:41)

    "Und wenn du eine Frau suchst, die alle drei Dinge beherrscht, so wirst du niemals heiraten." Dies ist mir spontan zu Ihren ersten Zeilen eingefallen. Natürlich spaßig gemeint...
    Das Gemüt der Iraner und diese Geselligkeit mit Humor und Spaß trifft meinen Geschmack. So fällt das Abschalten sicherlich umso leichter...

    Hier bei uns steht noch alles. Lassen Sie sich Zeit mit der Heimfahrt, der Alltag kommt früh genug.

    Grüße aus dem 5193km entfernten Schwäbisch Hall!

  • #3

    Anne (Sonntag, 03 April 2016 19:35)

    liebe Michaela,lieber Udo,danke für die sehr schönen Fotos aus dem Iran!Ich war auch 2011dort und soll am 13.4 einen Vortrag halten.Bei der Amir- Schaghmagh- Moschee in Yazd komme ich ins Schleudern.bei googl heisst es, dass sie heute Freitagsmoschee genannt wird.Gibt es denn mehrere Freitagsmoscheen, wenn die Jame-Moschee auch Freitagsmoschee heisst?Vielleicht lest Ihr zufällig meinen Eintrag.meine E-Mail lautet annemarie@dr-maceiczyk.de
    alles Gute fürEuch und viele schöne Reisen! Anne

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