Am Rand der Wüste Kavir

Shiraz - Pasargadae - Yazd: 473km

Wüste(n)spiele...
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Königsgräber von Xerxes und Darius
Königsgräber von Xerxes und Darius

Im Hotel „Pars“ haben wir Benjamin, seinen iranischen Schwager Daniel, seine iranische Schwiegermutter und seinen Sohn Nuhr kennengelernt. Schon seltsam, wenn man beim Frühstück plötzlich am Nebentisch deutsche Laute hört. Die sympathische Familie ist in Mashad zu Hause, lebt aber schon seit 20 Jahren in Deutschland und durfte lange Zeit nicht in den Iran einreisen, weil Daniel sonst den iranischen Militärdienst hätte absolvieren müssen. Die vier sind mit dem Flugzeug von Mashad nach Shiraz geflogen, sind es doch gute 1200 Kilometer bis zur afghanischen Grenze – und das ist selbst für Iraner nicht mehr eben um die Ecke. Wir frühstücken gemeinsam, reden über die Menschen im Iran, die deutsch-iranischen Beziehungen, über Politik und das Leben auf der Straße. Als wir abreisen, steht die ganze Familie zum Abschied Spalier und winkt uns in den Morgenstau auf dem Karim Khan Zand-Boulevard.

Laura und Andrea sollen noch erwähnt werden. Die beiden Norditaliener sind mit einer 12er GS unterwegs und machen am Tag so zwischen 400 und 500 Kilometer. Lauras Energie und Temperament korrespondiert in wunderbarer Weise mit einer italienischen Cappuccino-Maschine und wenn sie Andrea so richtig Dampf macht, kann ich mir vorstellen, wie viel Spaß die beiden unterwegs haben. Wir tauschen Hotelerfahrungen und GPS-Wegepunkte aus und beschließen, uns irgendwann einmal in Norditalien oder bei uns daheim in Süddeutschland zu treffen. Ja, immer wieder sind es diese schönen Begegnungen „on the road“, die uns auf Motorradreisen gefallen. Unterwegs findet man es noch, das verbindende Bikergefühl, dieses Froh-darüber-sein, irgendwo am Straßenrand plötzlich Gleichgesinnten zu begegnen.

Ankunft bei den Königsgräbern von Rostam
Ankunft bei den Königsgräbern von Rostam

Nach Yazd soll es heute gehen, an den Rand der iranischen Wüste, der Kavir. Mehr Wüstenerfahrungen sind auf dieser Reise nicht drin, zu eng ist unser Zeitbudget. Hätten wir sechs Wochen zur Verfügung, sähe dies anders aus. Wer also ganz in den Osten bis an die Grenzen von Turkmenistan, Afghanistan und Pakistan reisen möchte, sollte mindestens diesen Zeitraum zur Verfügung haben, sonst wird die Reise zur Rallye und man rauscht überall nur durch…

Königsgräber von Rostam
Königsgräber von Rostam
Grab des Xerxes
Grab des Xerxes

Die heutige Tour enthält folgerichtig wieder ein wenig Kul-„Tour“. Unweit von Persepolis liegen bei Rostam gleich neben der Landstraße die reliefgeschmückten Königsgräber von Xerxes und Darius, jener Herren also, deren Baukünste wir zwei Tage zuvor in Persepolis so bewundert haben. Keine Stunde später stehen wir bei Pasargadae vor dem Grabhaus von Kyros dem Großen und damit hautnah an der Wiege der Perser, wird doch der mächtige Kyros als Vater der Perser bezeichnet. 550 v. Chr. besiegten die Perser die Meder bei Pasargadae, woraufhin Kyros (auch Kyrus) auf siegreichem Terrain eine Residenzstadt errichten ließ, in der er selbst seine letzte Ruhestätte fand.

Auch ansonsten ist König Kyros eine bemerkenswerte geschichtliche Figur: Nachdem Jerusalem 586 v. Chr. nach der zweiten Belagerung durch Nebukadnezar zusammengebrochen war, ließ dieser sämtliche Tempel der Stadt plündern und verschleppte das Gold und die Überlebenden Jerusalems ins Zweistromland nach Mesopotanien (heute Irak). Keine 50 Jahre später stand Kyros' Heer vor Babylon. Der Perserkönig - und das lasse man sich auf der Zunge zergehen - befreite das hebräische Volk aus der Gefangenschaft, ließ - welch Großmut - sämtliches Gold zusammentragen, das Nebukadnezar geraubt hatte, und schickte die Überlebenden nach Jerusalem zurück mit dem Befehl, dort den Tempel Salomons wiederaufzubauen. Damit hat ausgerechnet das iranische Volk die älteste antike Verbindung zum jüdischen Volk. Vielleicht sollten die Mullahs und die Zionisten unserer Tage darüber mal ernsthaft nachdenken...

Von der Residenzstadt Kyros' sind nur noch wenige Mauerreste übrig geblieben, doch für das Grabhaus lohnt es sich durchaus, den Killschalter zu betätigen. Auf dem archäologischen Ausgrabungsgelände lernen wir die charmante Fatima kennen. Sie spricht nur ein paar Brocken Englisch und versucht doch, uns etwas von dem nahe zu bringen, was diesen Ort auszeichnet. Gleich am Eingang an der Ticketbude steckt man uns ein paar frische Gurken zu und aus dem Nichts heraus stehen plötzlich zwei durchaus formell wirkende Herren neben uns, die uns zwei Münzschachteln mit alten Rialmünzen schenken – einfach so. Unterwegs halten Menschen neben den Bikes, reichen uns Äpfel, Pfirsiche, frisch geerntete Mandeln oder eine Flasche Wasser. Was sind das für wunderbare Menschen? Uns geht es mehr als gut in diesem gastfreundlichen Land…

Ein Hauch von Wüste...
Ein Hauch von Wüste...

Kurz vor Surmaq zweigt die Landstraße nach Abarkuh ab und nachdem wir einen „kleinen“ Bergpass von 2500 Höhe (!) überwunden haben, wird das Land nun wirklich topfeben mit ganz spärlichem Bewuchs und wir erleben mit dem Sonnenuntergang ein wenig Wüstenstimmung. Dann allerdings bekommen wir eins auf die Nase, denn wieder einmal haben wir die Dimensionen des Landes unterschätzt. Die mickrigen 55 Kilometer nach Yazd fahren wir doch locker im Dunkeln. Klar, machen wir, doch dann wird die breite Route ein zweites Mal an diesem Tag zu einer Bergstraße, macht deutlich Höhenmeter und endet hat sich erst ausgepowert, als der Höhenmesser des Garmin satte 2600 Meter anzeigt. Die gebirgigen Seitenränder des Kuhha-ye Qohrud haben es in sich und türmen sich mit dem Gipfel des Shir Kuh bis zu 4075m auf. Die Temperatur ist von 40° C auf 18° C gefallen, die meisten LKW-Fahrer sind Mitglied der iranischen Energiespargewerkschaft und verzichten auf ihre Hauptscheinwerfer, der Fahrbahnbelag kannte schon bessere Tage. Doch, wir haben Spaß! Abends gegen halb zehn erreichen wir endlich das Hotel Laleh im Gassengewirr der Altstadt von Yazd. Danke für die GPS-Daten, lieber Andrea! Solemente bellissimo!! Jetzt kann sie beginnen – die 1000 und eine Nacht…

Wüstes Land...
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Die Nächte fallen vom Himmel...
Die Nächte fallen vom Himmel...

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