Vom "Berg der Götter" nach Daran

Kermanshah (Bisotun) - Bu'in (Daran): 440 km

Nach einer erholsamen Nacht geht es früh aus den Federn, um der größten Hitze zu entfliehen. Unsere Bikes rollen nur wenige Kilometer nach Bisotun, um dort dem „Berg der Götter“ einen Besuch abzustatten. Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt, denn noch hält sich die Hitze ein wenig zurück.

In eine gut hundert Meter hohe Felswand wurden drei riesige Reliefflächen gehauen, um wichtige Stationen des König Darius (522-486 v. Chr) darzustellen. Das kleinere dieser Reliefs zeigt eine Huldigungsszene für den Herrscher Mithridates II., eine weitere, fast 200 Meter breite Fläche ist unvollendet und das am höchsten gelegene Darius-Relief hat man - wohl schon lange Zeit -eingerüstet, um Reparaturen durchzuführen. Große Enttäuschung: Das gesamte Relief ist durch das Gerüst verdeckt und nichts (!) ist zu erblicken. Glaubt man dem Reiseführer, so wurde dort der Machtantritt des Darius in den Fels gehauen und in altpersischer Keilschrift wird seine Geschichte erzählt. Wirklich schade, das war ein Metzgersgang… Gegenüber der Felswand findet man noch einen Quellteich und eine relativ gut erhaltene Karawanserei, die jedoch ebenfalls nicht geöffnet ist. Wir schwitzen uns zurück zu den Bikes, wo sich inzwischen eine kleine Menschenmenge versammelt hat, die uns zum Tee einladen, fotografieren oder einfach nur herzlich verabschieden will. Inzwischen schlägt die Hitze gnadenlos zu und wir sind froh, auf den Anlasser drücken und die Bikes in den noch leicht kühlenden Fahrtwind lenken zu können. Ziel soll heute Daran sein. Es gilt also, runde 400km weiter südlich ins Zagros-Gebirge vorzustoßen.

Auf unserer Landkarte ist die Route nach Khorramabad gelb eingezeichnet, müsste also eine Nebenstrecke sein. Der Zustand des Asphalts bestätigt unsere Vermutung, doch was sich verkehrsmäßig auf dem relativ breiten Asphaltband abspielt, passt eher zu einer Hauptschlagader. Ein nicht enden wollender Strom von LKW und Gemüse-Pickups quält sich den 2000m hohen Pass zu den Höhen des Zagros-Gebirges empor und lässt uns ausgiebig Diesel atmen. Das Taschentuch am Abend wird wieder schwarzgrau sein… Einmal oben angekommen, verläuft die Route in 1800 bis 2000 Metern Höhe und bietet panoramahafte Ausblicke auf den 3638m hohen Kuh-e Garri und seine kleineren Brüder. Das Bordthermometer der KTM bescheinigt dem Fahrtwind lockere 41 Grad und bei der Ankunft in Khorramabad kocht der Asphalt. Besonderen Spaß machen in so einer Situation die verkehrsberuhigenden Asphaltrampen quer über die Straße, die einen jedes Mal hochkatapultieren oder dermaßen heftig runterbremsen, dass das ABS zu stottern beginnt. Immerhin finden wir den besten Bäcker Khorramabads, litern mal wieder Istak und gehen im Anschluss mit frischen Kräften den gut ausgebauten Chariveli Shah-Pass an, der im Direktangriff die Passhöhe in 2200m erstürmt. Die Höhe bringt Abkühlung, und bei angenehmen 32 Grad gleiten wir auf einer Hochfläche nach Aligudarz.

Es ist schon spät am Nachmittag, als uns bei Chaman Soltan eine Polizeisperre stoppt und die Pässe verlangt. Immer wieder mit Genuss zu beobachten, wie die Augen der Gesetzeshüter zu kullern beginnen, wenn Michaela den Helm abnimmt und es ihnen allmählich dämmert, dass der kleine Mann eine Madame ist. Plötzlich hält ein alter Peugeot neben uns und es tönt fröhlich „Grüß Gott!“ aus dem Wagen. Sandra und Ingo haben unsere Kennzeichen auf der Gegenfahrbahn entdeckt und sind umgekehrt, um Hallo zu sagen. Die zwei kommen aus Indien und Pakistan zurück und sind nach einer viereinhalbmonatigen Reise nun auf dem Rückweg in die Heimat Schwäbisch Gmünd. Ja, plötzlich ist es da, so ein kleines bisschen Heimweh, vor allem nach Menschen, die deine Sprache sprechen… In Daran seien alle Hotels ausgebucht, verraten uns die beiden, und so ziehen wir ein paar Kilometer später bei hereinbrechender Dunkelheit die Reißleine. Neben der Landstraße taucht in der Nähe des Dorfes Bu’in eine „Rest Area“ auf, mit einem gepflegten Rasenstück, auf dem man sicherlich ein Zelt aufstellen darf. Wir versorgen uns an einer Tankstelle noch mit frischem Wasser und stecken kurz darauf die Zeltstangen zusammen. R u h e! Muss ich weitererzählen? Beim Abladen der Bikes „helfen“ 5 Menschen, den Zeltaufbau beobachten zehn und unsere provisorischen Kochkünste finden an die zwanzig Bewunderer. Die ganze Nacht über röhren die LKW. Doch keine Bange, wir bekommen letztlich doch noch unseren Schlaf - Oropax sei Dank!!

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