Auf zum Thron des Salomon

Orumiyeh-Takht-e-Soleyman: 325 km

Abschied von Hosseins Familie
Abschied von Hosseins Familie

Endlich rollen die beiden Bikes, befreit vom Verkehrsgewühl, in Richtung Süden. Linkerhand freier Blick auf den Orumiyeh-See, bei dem jedoch von Wasser weit und breit keine Spur mehr ist. Hatten wir noch vor zwei Jahren geglaubt, dass sich die Verlandung weitgehend auf die Uferzonen des Sees beschränkt, so wird auf der Fahrt entlang des Westufers deutlich, dass dieser "See" eine endlose, in der Sonne flimmernde Salzwiese ist. Erneut machen wir Bekanntschaft mit dem iranischen Verständnis von Reisen auf ausgebauten Schnellstraßen. Hinein ins Auto, wenigstens vier Personen mitnehmen, der obligatorische Schal der Frauen wird als Sonnenschutz in die Seitenfensterscheiben eingeklemmt und dann aber kräftig aufs Gaspedal gedrückt. Nachgeben? Gibt´s nicht. Bremsen auch nicht. Und Licht in der Dunkelheit schon gar nicht. Lustigerweise werden wir stets angeblinkt, weil wir selbstverständlich in der Dämmerung mit Licht fahren. Wie kann man aber auch! So donnern die LKW an uns vorbei, während wir mit unserer Reisegeschwindigkeit zwischen 80 und 90 km/h die gigantische Berglandschaft in uns aufsaugen. Sand-, ocker- und braunrote Busen, Hunderte von Metern hoch, abgerundete Hügel und fruchtbare Flusstäler. Dazwischen schneist die Straße nach Mahabad. Allzusehr ins Träumen kommen sollte man dabei allerdings nicht. Nähert man sich einer Stadt, haben die Stadtplaner federbeintötende Bauelemente in Form von Speed-Ramps eingebaut, die den Verkehr jedes Mal verknoten und zum Stillstand bringen. Richtungsschilder? Fehlanzeige! Und so fragt sich Udo als Scout erfolgreich durch jede größere Stadt.

Gut bewacht...
Gut bewacht...

Takht-e-Suleyman heißt das Tagesziel. Wir halten uns östlich Richtung Miyandobad, um endlich auf einer Straße zweiter Ordnung ein wenig Ruhe zu finden. Die Hitze ist gnadenlos und wir sind mehrfach derart nassgeschwitzt, dass wir in den Pausen das Shirt wechseln. Nur der Fahrtwind gibt ein wenig Erleichterung. Unsere Pausen sind erholsam, zugleich anstrengend, aber vor allem interessant und haben folgenden Abauf: Die Bikes lümmeln auf dem Seitenständer vor einem Laden mit Getränken, die wir wegen des Ramazan (auch "Ramadan") nur "indoor" zu uns nehmen dürfen. Sogleich springen mindestens drei iranische Männer aus ihren Autos und rufen per Handy zehn weitere herbei. Dazu gesellen sich vier Mopedfahrer und diverse Trucker, und am Ende sind wir von 30 aufgeregt gestikulierenden, dunkelhaarigen und -häutigen Männern mit Glutaugen umgeben, die uns auf Farsi befragen. Natürlich dürfen die obligatorischen Bilder mit der Handykamera von uns und vor allem von den Motorrädern nicht fehlen. Oft bekommen wir noch eine Flasche Wasser mit auf den Weg und werden herzlich verabschiedet.

Unter Persern...
Unter Persern...

Die Route nach Hasanabad klettert auf gute 2000 Höhenmeter hinauf und tangiert bettelarme Bergdörfer. Die meisten Lehmhäuser sind zerfallen, halb eingestürzt oder haben zumindest grobe Risse. Staubige Dorfstraßen mit metertiefen Löchern und ausgewaschenen Rinnen sind Verkehrswege für Bauernjungen mit ihren Kühen, Hirten mit Schafherden, Traktoren und Heuwagen. Die Luft flimmert in der Hitze so stark, dass die 3000 Meter hohen Berge am Horizont ihre Farbe verlieren und nur noch schemenhaft erahnbar sind. Als die Sonne endlich ihr Haupt hinter dem Grenzgebirge zum Irak versenkt, erreichen wir mit dem letzten Licht des Tages unser Ziel. Das Tal von Takht-e-Soleyman, der "Thron des Salomon", liegt auf einer Trennlinie zwischen zwei Gebirgszügen mit erheblicher vulkanischer Aktivität, wovon eine Reihe unterirdischer warmer Quellen zeugt. Den Beweis dafür liefert eine iranische Campinganlage unweit eines Bergkegels mit dem Namen "Gefängnis des Salomon", denn dort haben wir die Ehre, in einem kleinen Thermalbecken unsere müden Muskeln durchzuwärmen. Der Campingplatzwärter hält in einer Hütte sogar noch ein unmöbliertes Zimmer für uns bereit, und in der Küche der Familie kommt unser Gaskocher zu Ehren. Eine angenehm kühle Nacht sorgt für die nötige Erholung. -

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Kommentare: 1
  • #1

    Hossein (Freitag, 09 August 2013 09:20)

    Hi my friends

    I am so happy to see that you are enjoying your trip in Iran

    wish you all the best

    Greetings from Urmia,Iran

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