Türkei Transit 4

Tercan - Dogubayazit (Ishak Pasha Sarayi)

The long way east...
The long way east...

In Tercan lässt es sich gut leben. Angenehm kühle 20 Grad am Morgen und ein blitzblauer Himmel begleitet uns auf unserer Weiterfahrt. Wir erfreuen uns an der grandiosen Bergwelt, die sich zum Osten hin öffnet. Und wieder einmal sind wir in der endlosen Weite der Osttürkei angekommen, die uns jedes Mal aufs Neue fasziniert. Nach Doğubayazıt soll es heute gehen und wir wollen uns beim Palast Ishak Pasha Sarayı angemessen vom Ararat verabschieden. Das Montana-Navi zeigt für den heutigen Tag angenehme 390km und unsere Hinterteile freuen sich ganz besonders über diese milde Aussicht. Kurz hinter Erzurum erwarten uns ganz besondere Momente. In Pasinler ist Wochenmarkt. Als wir die Motorräder am Straßenrand parken, dauert es keine zwei Minuten und wir sind von Kindern, jungen und alten Männern umringt. Udo vergnügt sich mit der Kamera auf dem Markt, macht Bekanntschaft mit Marktfrauen und Händlern und ich erläutere PS-Zahlen und Reisekilometer, parliere auf Englisch und mit ein paar Brocken Türkisch. Nach vielen eindrucksvollen Erinnerungsfotos geht unsere Fahrt weiter und spätestens nach dieser knappen Stunde wissen wir wieder, weshalb wir in dieser Region so gerne unterwegs sind. Nur so lässt sich ein Land erfassen, mit Pausen und Gesprächen mit Händen und Füßen – bloßes Kilometerfressen und durch ein Land cruisen, hinterlässt keine Spuren. Mehr Kontakt mit den Menschen sucht und dazu noch fotografieren möchte, sollte sich nicht mehr als 300 bis 350 Kilometer Landstraße am Tag vornehmen.

Markt in Pasinler
Markt in Pasinler

Kurz vor Agri wünscht sich die kleine GS Benzin und da ich ja bei einem Schotterkurs im Enduropark Hechlingen war, steuere ich todesmutig eine Tankstelle mit grob gekiester Zufahrt an. Bei der Ausfahrt kühlt mein Mütchen kräftig ab, denn die GS legt sich im Kiesbett auf die Seite. Nichts ist passiert und Udo amüsiert sich über meinen Kommentar: „Diese Heidenau-Reifen können ja gar nix. Ich dachte, die halten hier…“. OK, ich sehe ein: Wie so oft sitzt das Problem nicht auf den Felgen, sondern hockt auf der Sitzbank J. Meine kleine GS hat den Ausrutscher ins Kiesbett übrigens nicht übel genommen. Die Protektoren am Lenker und an den Alukoffern haben einen guten Job gemacht… An einer „schön geteerten“ Tankstelle überstehen wir kurz darauf einen heftigen Regenschauer, füllen unseren inneren Tank mit Pfirsichsaft auf und rollen dann gemütlich weiter Richtung Doğubayazıt.

Komm, setz dich zu uns...
Komm, setz dich zu uns...

Die Stadt staubt und kocht im Abendlicht. Zum „Ishak Pasha“ soll es gehen und bei Murat wollen wir wieder campen – wie schon vor zwei Jahren auf der Tour „Hinterm Ararat geht’s weiter“. Die grob gepflasterte, steile Stichstraße zum Palast ist in den letzten Jahren noch weiter zerfallen und es geht drunter und drüber. Dolmus und zig private PKW rumpeln zu Murats Campinggelände hinauf, um sich dort mit frischem Quellwasser einzudecken oder auf dem Gelände ein Picknick mit Barbecue abzuhalten. Nach ausgiebiger Begrüßung durch alte Bekannte und Chef Murat selbst, durchleben wir sehr gemischte Gefühle: Freude auf der einen Seite, weil wir wiedererkannt werden, und große Trauer über den miserablen Zustand der Camping-Anlage. Innerhalb von zwei Jahren ist der schöne Park zerfallen, von Unrat, Müll und ausgedientem Mobiliar restlos verunstaltet. Die sanitären Anlagen sind so unterirdisch, dass es uns ekelt und schüttelt und glaubt uns, Freunde, wir sind diesbezüglich so einiges gewohnt. Zum Campen ist Murat jedenfalls keine Empfehlung mehr.

Bewirtung, Personal und Küche sind dagegen nach wie vor erfreulich – und wir haben den Eindruck, dass sich der Chef nur noch um seine Ararat-Expeditionen kümmert. Es ist wie so oft in der Türkei beobachtet: Man hat eine gute Idee, baut etwas auf, doch anschließend fühlt sich niemand mehr verantwortlich und die weitverbreitete „Wirf einfach weg-Mentalität“ der Menschen gibt dem Ganzen den Rest. Wir lassen uns trotzdem die gute Laune nicht verderben, stellen unser Zelt angesichts eines sich nahenden Unwetters in einem der zerfledderten Cadors (siehe Fotos) auf dem Gelände auf und fallen nach zwei Efes müde ins Zelt.

Am nächsten Morgen will Udo noch einmal hinauf zum ehemaligen Parsüt-Restaurant, wo wir 2010 unser Zelt oberhalb des Palastes auf einer kleinen Terrasse aufstellten und nachts und am frühen Morgen unvergessliche Bilder einfangen konnten. Ich möchte nicht mit, um meine Erinnerungen an damals, an den traumhaften Morgen bei Parasüt, zu behalten. Eine gute Entscheidung, denn als mein Mann zurückkommt, hat er feuchte Augen und sagt nicht viel. Parasüt ist dem Erdboden gleichgemacht und abgerissen worden. Unseren Traum an der Seidenstraße gibt es nicht mehr. Die Lehre daraus ist einfach: Leben geschieht immer jetzt im Augenblick und ist niemals wiederhol- oder nicht erneuerbar. Hüte deine Erinnerungen wie einen kostbaren Schatz…

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Kommentare: 1
  • #1

    stefanausstödtlen (Dienstag, 06 August 2013 12:44)

    Hallo, ihr zwei...ich hoffe euch geht es nach wie vor gut und ihr sammelt fleißig Eindrücke im Hier und Jetzt.Ich drück euch die Daumen!

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