Best of Anatolia

Ishak Pasa Sarayi (Dogubayazit) – Çildir Gölü: 243 km

Erst gegen elf Uhr können wir uns lösen. Die Gespräche mit den Schweizern Susanne und Roger, die seit etlichen Wochen mit ihrem Landrover in Georgien und der Türkei unterwegs sind, waren einfach zu interessant. Der Ararat hat Verständnis gezeigt und geduldig auf uns gewartet, bevor er sich zur Mittagszeit ab 4000 m das typische Wolkenstirnband anlegt. Ein paar Schüsse mit fast freier Schneekappe gelingen und dafür ziehen wir tief den Helm. Vielleicht haben wir diese Vorzugsbehandlung ja auch verdient: Wir besuchen den mächtigen Berg schließlich zum zweiten Mal und haben seinen Schmerz im Sitzfleisch und am Geduldsfaden jedes Mal tapfer ausgehalten. Auf halber Strecke nach Igdir zieht die Straße auf knappe 1700m hinauf und bringt uns den Berg ganz nah. Ein erhabenes und ein großes Glücksgefühl, denn in diesem Jahr können wir sagen: Hinterm Ararat geht’s weiter – und wir bereuen keinen einzigen Kilometer.

Ab Igdir gibt die Route mächtig Höhe ab und führt durch fruchtbares, grünes Land. Der Aras Nehri zieht unweit der Straße seinen Lauf und sorgt dafür, dass die Bauern ihre Stände am Wegesrand mit saftigem Obst und prallen Tomaten, Gurken und Melonen füllen können. Der Ort Tuzluca lockt mit ein paar Höhlenwohnungen in weichem Tuffstein und nur wenige Kilometer später wechseln die sanften Kalksandsteinberge ihre Farbe und glühen eisenhaltig tiefrot in der Mittagssonne. Wir können uns kaum sattsehen an diesem Klein-Arizona, das uns nach einem schwungvollen Passanstieg aus der Vogelperspektive zu Füßen liegt. Welch ein schönes Land!

Zwischen Digor und Kars wechselt erneut die Szenerie. Die Enduros gleiten über karge Höhenzüge und weite Hochebenen, streifen hier und dort raue Kurdendörfer und als die Einzylinder kurz vor Kars an den Sommerweiden kurdischer Hirten mit den so typischen Spitzzelten vorbeistampfen, da hat die Straße glatte 1000 Höhenmeter gemacht und es ist spürbar kühler geworden. Wir wollen noch einmal zum Çildir Gölü, jenem entlegenen See in 2000m Höhe, der uns vor zweieinhalb Wochen als Zeltquartier diente und so bezauberte. Dieses Mal sind wir zwei Stunden früher dran und haben noch Zeit, das warme Licht der Nachmittagssonne zu genießen, bevor wir nach einer halben Seeumrundung kurz vor dem Dorf Çildir bei "unserer" Fischlokanta eintreffen. Zwar ist der Patron gerade auswärts, doch man erinnert sich an uns und selbstverständlich dürfen wir hinter der kleinen Gaststätte direkt am Seeufer das Zelt aufstellen.

Kurz noch das Abendlicht genießen, dann fällt die Nacht förmlich vom Himmel. Für den "balik" (Fisch) auf dem Teller kennen wir keinen Namen, nur ein genüssliches Stöhnen – und das soll für diesen kulinarischen Abschluss eines schönen Reisetages auch völlig reichen. Die Nacht wird kalt, sehr kalt und wir stopfen in die Daunenschlafsäcke zusätzlich noch die Seideninlays und ziehen lange Unterhosen an. Und da der Wirt es besonders gut meinte und als Bewacher vor dem Zelt seine beiden riesigen Kangalhunde platzierte, muss mitten in der Nacht noch schnell eine große Wasserflasche zum "Porta Potti" umgebaut werden. 
Nein – in Anatolien wird es einem nie langweilig ... 😜

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