Auf dem Weg nach Aserbaidschan

Tiflis – Balakän: 290 km


Die Stadt kocht. Nach einer ruhigen Nacht im Hotel KMM, einem Morgenspaziergang durch die Innenstadt und einem kleinen Verwöhnfrühstück mit echtem Kaffee schwimmen wir mit Peggy und XT raus aus dem Verkehrsgewühl von Tiflis.
In den Außenbezirken bleibt nicht viel über von dem zweifelsohne vorhandenen Charme des Altstadtkerns. Öde Plattenbaublöcke in völlig desolatem Zustand, chaotisch-hektische Kommerzmeilen, bitterarme Wohnviertel, dazwischen hier und dort ein wenig Datschaleben mit rostigen Gitterzäunen – die Ausfallstraße Richtung Flughafen lässt den grauen Alltag der meisten Tifliser wie im Zeitraffer vorüberziehen. Wir finden die Abzweigung nach Sighnaghi und sind froh, wieder offenes Land vor dem Vorderrad zu haben.

"Herrliche" Szenen bei einer Trinkpause an einer typisch georgischen "Raststätte": Ein Lada-Fahrer nach dem anderen hält mit quietschenden Reifen, drei bis vier bereits stark angeschossene Mitfahrer torkeln singend Richtung Wasserstelle und füllen eine wohl unterwegs geleerte 2-Liter-Bierflasche mit Wasser auf. Der Fahrer hat inzwischen die Motorhaube und den zischenden Verschluss des Kühlwasserbehälters geöffnet.

Der geschundene Motor bekommt neues Kühlwasser (Der Rest wird über den Motorblock verteilt ...), die Helldriver neues Bier, ab in die Kiste und wieder Bleifuß.

Leider eine ganz alltägliche Szene, was letztlich auch erklärt, warum viele Georgier dermaßen "sorglos" Auto fahren. In den großen Kühlschränken der Straßenlokantas lagern oft nur zwei Sorten Getränke: Wasser und Bier, und zwar im Verhältnis eins zu vier ...


Die Kachetische Weinstraße entpuppt sich als schöne Motorrad-Nebenstrecke entlang einem breiten Flusstal mit einfachen Dörfern, Gemüse- und Maisfeldern und gelegentlichem Weinanbau. Letzterer scheint allerdings wenig ernsthaft betrieben zu werden, gemessen an dem, was man in Mittelmeerländern unter Weinanbau versteht.

Über Telavi gelangen wir am Nachmittag über eine herrlich schattige Alleenstraße in das fruchtbare Alasanital. Unvermittelt ragt plötzlich eines der beeindruckendsten und besterhaltenen Gotteshäuser Georgiens aus der Ebene auf: die Georgskirche von Alaverdi. Die mächtige Kirche gilt neben Sweti Zchoweli in Mzcheta als ein weiteres Schmuckstück kachetinischer Baukunst und das zu recht. Von einer Wehrmauer mit Zinnen und Schießluken komplett umgeben, dominiert der 51 Meter hohe Turm der Kirche die weitläufige Anlage mit mehreren Wohngebäuden, die sowohl Bischöfen wie auch einem persischen Schah einst als Residenz dienten.

Obwohl die meisten Fresken im Innenraum der Kirche vandalisierenden Eroberern und einem verheerenden Erdbeben zum Opfer fielen, vermittelt das Kirchenschiff auch heute noch eine ganz besondere Stimmung, die vor allem von dem strahlenförmigen Lichteinfall aus der Kirchenkuppel herrührt. Die Sonne meint es heute gleich doppelt gut mit uns, denn obwohl sie sich bei unserer Ankunft hinter einem dichten Wolkenband versteckte, taucht sie Alaverdi beim Abschied noch in ein warmes Spätnachmittagslicht, so dass die Kamera letztlich doch noch etwas zu tun bekommt.

Wir müssen uns sputen, wenn wir noch vor 21 Uhr den Grenzübergang bei Tsodna erreichen wollen, und lassen die Einzylinder stampfen. Gremi muss sich mit einem kurzen Blick hinauf zu seiner Festung begnügen, doch die im Abendlicht scharf konturierten Kaukasusberge dahinter begleiten uns ausdauernd in den Abend hinein und weisen den Weg nach Aserbaidschan. Punkt 20 Uhr georgischer Zeit schlagen wir am Grenzbaum an und sind einmal mehr überrascht, wie gesittet man doch einen Grenzübertritt organisieren kann. Die Formalitäten auf der georgischen Seite sind nach einer halben Stunde Wartezeit erledigt und wir werden mit einem freundlichen „Besuchen Sie uns bald wieder“ zu den Aserbaidschanis entlassen.

Wir müssen uns sputen, wenn wir noch vor 21 Uhr den Grenzübergang bei Tsodna erreichen wollen, und lassen die Einzylinder stampfen. Gremi muss sich mit einem kurzen Blick hinauf zu seiner Festung begnügen, doch die im Abendlicht scharf konturierten Kaukasusberge dahinter begleiten uns ausdauernd in den Abend hinein und weisen den Weg nach Aserbaidschan. Punkt 20 Uhr georgischer Zeit schlagen wir am Grenzbaum an und sind einmal mehr überrascht, wie gesittet man doch einen Grenzübertritt organisieren kann. Die Formalitäten auf der georgischen Seite sind nach einer halben Stunde Wartezeit erledigt und wir werden mit einem freundlichen „Besuchen Sie uns bald wieder“ zu den Aserbaidschanis entlassen.


Ein freundlicher Empfang auch hier. Besucher aus Deutschland gelten offensichtlich noch als Exoten, denn neben den Passformalitäten werden Infos zu unserer Reise, zu deutschen Autos (Zwei Zöllner hatten Internetangebote von Autohändlern auf dem Bildschirm ...), zum Magazin Tourenfahrer und E-Mail-Adressen ausgetauscht. Der Abschluss einer Fahrzeugversicherung verlangt eine Menge Papierkrieg, kostet aber für beide Motorräder nur bescheidene 10 Dollar. Alles läuft bestens bis auf einen kleinen Pferdefuß: Die Motorräder bekommen nur ein 3-Tage-Transitvisum ausgestellt. Wir dürfen selbstverständlich die vom aserbaidschanischen Konsulat in unseren Pässen eingetragenen 6 Tage nutzen – aber unsere Bikes eben nicht. Mit dem Auto wäre das etwas anderes, aber Motorräder seien ein Problem ... Ich erspare mir den Hinweis darauf, dass unsere Motorräder ohne uns kaum ausreisefähig sein dürften, und frage stattdessen mit Dackelaugen, was denn wohl geschieht, wenn wir uns bei der Ausreise etwas verspäten. "Penalty!", meint der Grenzbeamte streng und fügt mit einem nicht zu deutenden Seitenblick hinzu: "Twenty Dollars." Also gut, dann werden wir uns also verspäten ...

Nach fast zwei Stunden geht der Schlagbaum hoch und wir rollen in das Land des Feuers. Eine halbe Stunde tasten wir uns durch eine rabenschwarze Nacht, dann poltern die Einzylinder durch die noch putzmuntere Stadt Balakän und wir parken vor dem feinsten Hotel der Stadt. Tja, es gäbe nur noch VIP-Zimmer und die kosten 250 Dollar die Nacht. Abgesehen davon, dass wir diese Welt-Schüttelwährung nicht dabei haben, ist der Preis völlig indiskutabel. Doch die Jungs von der Security sind nett, telefonieren herum und haben kurze Zeit später in einem kleinen, versteckt gelegenen "Hotel" am Rande der Stadt ein freies Zimmer für uns. Wir bekommen sogar noch etwas zu essen – um elf Uhr nachts wohlbemerkt! Der Gastwirt Mharram spricht kein Wort Englisch, aber er ahnt, was wir brauchen und die Vokabeln "quzu" (Lamm), "kebap" (vom Grill), "pomidor" (Tomate) und "xiyar" (Gurke) aus unserem kleinen Reisewörterbuch reichen ihm völlig aus, um ein schmackhaftes Abendessen mit Lammkoteletts auf den Tisch zu zaubern. Dazu gibt es kannenweise Çay (Tee) und – Allah, schau’ bitte weg! – der Mann hat "pive" (Bier) in seinem Kühlschrank. Wir schlafen ruhig und tief.🌔😴


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