Mitten durch

Hattuscha – Erzurum: 800 km

Auf den Straßen brüllt der Verkehr. Erzurum ist noch wach und tut dies lautstark kund. Wir haben gegen halb elf den Austragungsort der Winteruniversiade 2011 (Studenten-Weltmeisterschaften im Wintersport) erreicht und geraten mitten in die abendliche Ramazan-Passegiata in türkischen Städten. Der 2. Fastentag des Ramadan-Monats August ist überstanden und abends lässt man es so richtig krachen. Wenn man sich vorstellt, dass von ca. 360.000 Einwohner der gehfähige Anteil beschließt, abends noch einen Bummel über die Shopping Malls zu machen und die Hälfte davon dies wiederum im Auto tut, dann wird verständlich, warum wir für die 200m vom Stadtzentrum zum Hotel Esadas fast eine halbe Stunde brauchen. Egal, wir bekommen unser Zimmer und freuen uns nach dem hammerharten Fahrtag auf eine erholsame Nachtruhe. Ein 3-Sterne-Hotel (Zimmerpreis 140 TL = 65 Euro) hat bestimmt kühle Zimmer ...

Schock – im Zimmer liegen gute 30 Grad an und während die 1950m hoch gelegene Stadt allmählich runterkühlt weigert sich unser Nachtquartier hartnäckig, die angestaute Hitze des Tages wieder freizugeben. Also runter auf die Straße, wo die Menschen bis gut 2 Uhr morgens in Cay-Cafés, Baklavarien, Okey-Spielhallen, Kebap-Restaurants oder einfach nur auf der Straße hockend die Kühle der Nacht genießen. Ein dunkler Menschenschlag ist hier zu Hause, mit markanten Gesichtspartien, feurigen Augen, die mitleben bei allem, was ihr Besitzer sagt. Michaela fällt mit ihren knallblonden Haaren auf wie ein bunter Hund, und da Türken so angenehm neugierig sind, werden wir alle paar Meter in ein "Hello, what’s your name" oder "Where from?" verwickelt. In einer Seitenstraße finden wir ein ruhiges Plätzchen, bekommen eine leckere türkische Pizza serviert und können bei Cay und Unmengen von "su" (Wasser) allmählich runterfahren.

Rückblende: Die anatolische Sonne hatte mich für zwei Tage völlig außer Gefecht gesetzt. Da zieht man einmal nicht den Helm auf und schon geht’s schief ... Wir wollen den Ausfalltag wieder hereinholen und drücken bereits um acht Uhr nach kargem Frühstück auf den Anlasser. Beide Einzylinder melden sich umgehend zur Arbeit und rollen bei bedecktem Himmel und angenehmer Morgenkühle die Passstraße nach Yozgat hinab. Ein schönes Stück Weg durch das fruchtbare Quellgebiet von Hattuscha. Die D200 ist gut ausgebaut und erstaunlich wenig befahren, so dass wir gut vorankommen. Bis nach Sivas hält sich die Route in ungefähr 1100m Höhe, und da der anatolische Wettergott heute die Sonne versteckt und zudem dicke Backen macht, treiben uns kräftige Fallwinde aus dem Gebirge voran und es fröstelt uns unter den leichten Endurojacken.

Irgendwo hinter Zara kommen wir auf die Idee, das Mittagessen mit einem Becher Ayran (Schafsmilchgetränk) zu ersetzen. Das Schaf im Bauch äußert sich derart vehement, dass die Motoren der Peggy und der XT über die Pässe Kizildag Gecidi (2190m)und Sakaltutan Gecidi 2160m) bis hinab nach Erzincan mit Methangas laufen. Hinter Erzincan mündet der Weg in ein von zwei Bergmassiven gesämtes Hochtal (Erzincan Ovasi). Die milde Sonne des Spätnachmittags taucht die Flanken der Berge in ein warmes Licht und wir gleiten beseelt dahin. Wie schon mehrfach an diesem Tage dreht der Wind radikal und ein heißer Föhn bläst uns unter den Helm. Die Sonne verabschiedet sich schon kurz nach sieben mit einem schönen Flammenhimmel. Die restlichen 200 km bis nach Erzurum begleiten uns nur noch die Sterne und das magere Licht der Mondsichel. 🌔

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