Heiße Tage in Hattusa

Ruhetag. Wir entstauben unsere Bikes, bringen die Handprotektoren wieder an, werkeln, packen, laden Akkus, begutachten erneut unser Werkzeug und lassen den Tag mit Kleinigkeiten vergehen. Um 4 Uhr nachmittags sind wir mit Murat verabredet, der uns über das Ausgrabungsgelände von Hattusas führen möchte. Er ist der Neffe des Hotelbesitzers, lebt von Kindesbeinen an in Bogazkale und kennt sich auf dem Ausgrabungsgelände so gut aus, dass er seine Passion zum Beruf gemacht hat und Besuchern das Reich der Hethiter und deren architektonische Meisterleistungen vor 3500 Jahren anschaulich und kurzweilig nahebringt.

Das weiche Abendlicht vergoldet bereits die Flanken der Berge, als wir beim Felsheiligtum von Yazilikaya eintreffen. Über die handwerklichen Techniken und das Niveau hethitischer Bau- und Reliefkunst kann man nur staunen. Die erste Landnahme auf dem Siedlungsgebiet von Hattusa geht zurück bis ins 6. Jahrtausend vor Christus. Anatolische Ureinwohner vom Volk der Hattier gründeten ein bedeutendes Handelszentrum, in dem vornehmlich Rohstoffe wie Gold, Silber, Kupfer und wertvolle Steine umgeschlagen wurden. In jener Zeit kamen auch assyrische Händler aus dem mittleren Tigris im nördlichen Irak nach Hattusa, brachten Zinn, Stoffe, Kleider und – was für das heutige Verstehen jener uralten Kulturen besonders wichtig erscheint – die Keilschrift nach Zentralanatolien. Von den Hattiern übernahmen die Hethiter, die vermutlich über den Kaukasus einwanderten, den Namen Hattusa.

Mit Bronzewerkzeugen haben die Hethiter Gottheiten und Geschichten von Kultfeiern in den Fels gehauen und berichten damit der Nachwelt von ihrer Kultur, die zwischen 1650 und 1200 v. Chr. oberhalb von Bogazkale ihre Hochzeit hatte. Ihre Blüte entfaltete die hethitische Kultur unter Großkönig Schupiluliuma I. ca. 1400 – 1180 v. Chr., der das hethitische Gebiet bis nach Syrien in das Grenzgebiet von Ägypten ausdehnte. Spektakulär ist der erste Friedensvertrag zwischen dem Großkönig Muwattalli II. und Pharao Ramses II., die sich nach unentschiedener Schlacht auf Friedensverhandlungen einigten. Dieser auf Keilschrift angefertigte Vertrag hängt als vergrößerte Kopie der Tontafel in der UNO in New York.

Die Dimension der Ausgrabung ist beeindruckend und die Geschichte beim Gang über das Gelände spürbar. Wir begleiten unseren kompetenten Führer Murat bei der Zeitreise und bestaunen das Löwentor, das Sphinxtor, die mächtigen polygonen Steinmauern, die gewaltigen Magazine, welche eine Bevorratung für ca. 20000 Menschen über den Zeitraum eines Monats gestatteten, und die schönsten der 31 freigelegten Tempelanlagen, die vor allem Opfergaben beherbergten und zu kultischen Zwecken dienten. Ganz besonders beeindruckend ist für uns der Große Tempel in der Mitte des Stadtgebietes. Die Straßen der riesigen Tempelanlage wären mit einer gut federnden Enduro noch heute befahrbar ...

Weißkopfadler ziehen hoch am Himmel ihre Bahn und wir bestaunen die königlichen Flieger. Unser anatolischer Führer Murat kennt die Brutnester der Adler und erzählt, dass er als Kind einmal einen jungen Adler mit nach Hause gebracht hat, um ihn zu zähmen. Das ist wohl auch eine ganze Zeit lang gut gegangen, bis sich das majestätische Tier über die Hühner der Familie hergemacht hat. Murats Mutter erteilte daraufhin dem ungewöhnlichen Haustier ein energisches Hausverbot ...

Murat bietet noch am selben Abend an, uns im Verlauf einer morgendlichen Führung am nächsten Tag weitere Kleinode zu zeigen.

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