Griechenland quer

Tagesstrecke: 670 km

Gegen halb zehn Uhr morgens drehen nach gut 16-stündiger Fährfahrt die Schiffschrauben langsamer. Igoumenitsa empfängt uns heiter bis wolkig und mit Temperaturen knapp unter 30°. Das wäre die ideale Steilvorlage für einen deutschen Sommer. Auf der neuen Autobahn über Ionannina nach Thessaloniki kann man seit zwei Jahren mächtig Meilen machen. Selbst auf der Schnellstraße bleibt die Querung Nordgriechenlands zumindest im ersten Drittel ein Erlebnis. Viele Jahre lang haben wir uns schwer beladen die Serpentinen des Katara-Passes hinaufgequält und nun erledigt das eine vierspurige Himmelsleiter mit 10%iger Steigung im Handumdrehen. Riesige Brückenschläge, endlose Tunnel und eine gewagt in die Flanken der Berge gesprengte Trasse — der Straßenbau unserer Tage ermöglicht gewaltige Dimensionen. Die zumindest teilweise mit EU-Geldern finanzierte West-Ost-Verbindung verkürzt die Anfahrt in die Türkei um mindestens drei Stunden. Erstaunlich, dass sich seit dem letzten Jahr in Sachen Autobahnmaut nichts weiter getan hat. Die Mautstellen sind vorbereitet, die Schilder aufgestellt, doch niemand scheint energisch genug zu sein, die Vorbereitungen abzuschließen und den Geldhahn zu öffnen. Dabei könnten die Griechen zusätzliche Staatseinnahmen doch mehr als gut gebrauchen.

Die griechischen Zöllner am Grenzübergang in Ipsala wissen hingegen die gewonnene Zeitreserve zu schätzen und kosten die Möglichkeiten ihres Berufes in vollen Zügen aus. Im quälenden 10-Minutentakt werden die Fahrzeuge abgefertigt, und erst als sich eine Traube leicht erregter Türkeiheimkehrer um das Häuschen der griechischen Grenzbeamten gebildet hat, brennt bei einem von ihnen laut hörbar die Sicherung durch und er scheucht wild gestikulierend zig Fahrzeuge ohne weitere Kontrolle über die Grenze.

Die Türken können es noch besser. Bereits auf der Brücke über den Grenzfluss Evros zeigen sie militärische Entschlossenheit und beweisen den völlig entnervten Truckern nachhaltig, was eine

moderne Zollbürokratie zu leisten vermag. Auch wir bekommen eine Kostprobe serviert: Drei Fahrzeuge und ein Anhänger, vier Fahrzeugscheine und ebenso viele grüne Versicherungskarten mit Türkeierweiterung – da lässt es sich gut stempeln. Dreimal pendeln wir zwischen Pass- und Zollbüro hin und her, bis sämtliche Fahrzeug- und Halterdaten im Computer eingespeist und in den Pässen eingetragen sind. Ein System perfekter Überwachung, das es den Behörden ermöglicht, die Reiseroute von Touristen nachzuvollziehen, denn an den Tankstellen des Landes werden die Kennzeichen der Fahrzeuge gleich mit erfasst und gemeldet. Nach zweieinhalb Stunden Nerverei rollen wir endlich über türkischen Asphalt. Zollabfertigungen haben selbst in unseren Tagen immer noch etwas von Wegelagerei ...

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