Der Countdown läuft

Die letzten beiden Wochen haben es richtig in sich. Die XT erhält neue "Sohlen" und rollt jetzt auf Metzelers Sahara 3 und auf der Aprilia wird der Scorpion MT 90 von Pirelli aufgezogen. Unser Arbeitszimmer mutiert zu einem Ausrüstungsbasislager: Doch vielleicht noch ein T-Shirt weniger, eine Hose weniger. Wiegen drei Gaskartuschen nicht doch zuviel? Brauchen wir wirklich die Notmahlzeiten aus dem Outdoorshop und, und, und ... Doch dann am vorletzten Wochenende ein Schlag ins Kontor: Über den ADAC erfahren wir, dass wir für die Rückfahrt durch den Nordiran für unsere beiden Bikes noch so genannte "Carnets de Passage" für den iranischen Zoll benötigen. Das haben wir bisher völlig übersehen ...

Also die Anträge downloaden und alles per Express auf den Postweg. Ein paar persönliche Gespräche mit dem ADAC-Büro in München – ja, es müsste alles noch klappen. Die beiden Carnets kosten pro ADAC-Mitglied 160 Euro (für Nicht-Mitglieder 260 Euro) zzgl. einer Kaution von 3000 Euro je Motorrad!!! Und das Geld muss in 2 Tagen auf dem ADAC-Konto sein. Na, herzlichen Glückwunsch! Eine Woche später liegen die Carnets bei uns auf dem Tisch und unserer Abfahrt steht nun nichts mehr im Weg. Ich kann seit neuestem verstehen, dass McGregor und Boorman für ihre "Long way down" Reise ein ganzes Heer von Mitarbeitern beschäftigt haben, um die Visa- und Zollpapiere für jedes Reiseland rechtzeitig zu bekommen. Der Hammer ist: Verliert man die Papiere, wird das Bike gestohlen oder vergisst man, die Carnets bei der Wiedereinreise nach Deutschland vom deutschen Zoll abstempeln zu lassen, so kann die Kaution einbehalten werden. Also scannt Michaela sämtliche Papiere, packt sie auf ein virtuelles Laufwerk im Internet, druckt sie zusätzlich aus und foliert sie wasserfest ein. So gehen die Duplikate im Tankrucksack mit auf die Reise. Die Fotoausrüstung gecheckt, Akkus, Speicherkarten und Netbook verstaut, Werkzeuge und Ersatzteile gerichtet und eine umfangreiche Bordapotheke mit Notfallmedikamenten zusammengestellt, denn auf die gewohnte flächen-deckende ärztliche Versorgung muss man wohl restlos verzichten. Und dann kommt der Sonntag: Die Packsäcke sind zu, die Koffer beladen, alles Notwendige ist an Bord. Wir können nun bald den Anker lichten ...

 

Nur noch 4 Tage...

 

Am Sonntag wollen wir eigentlich nur noch unser Werkzeug zusammenrichten und dann die Ausrüstung in unseren "Pössl" packen. Wir haben unsere Anfahrt so gelegt, dass wir mit unserem Camper und einem Motorradanhänger über Italien (Ancona) nach Griechenland (Igoumenitsa) fähren, dann über Alexandropoulos nach Ipsala an die türkische Grenze fahren und weiter bis 200 km hinter Ankara nach Bogazkale (Hattusa), dort Wagen und Hänger auf einem Campingplatz stehen lassen und von da aus die Tour mit den Motorrädern beginnen. Anreise ca. 2700 km; für die eigentliche Motorradtour haben wir zwischen 6000 und 7000 km veranschlagt. In der Türkei eine Station mit Camper, Hänger und kleiner "Werkstatt" zu haben, hat sich bereits auf der letztjährigen Reise "Es liegt noch Schnee am Ararat" bewährt und als ausgesprochen entstressend erwiesen. Stumpfes Kilometerbolzen auf der An- und Heimreise entfällt und man ist nicht gezwungen, einen zweiten "Schlappen" mitzuführen. Von Bogazkale geht es weiter nach Kars ins Quellgebiet der Kura, ein grenzüberschreitender Fluß, der die Länder Türkei, Georgien und Aserbaidschan verbindet und ins Kaspische Meer mündet. Dann führt der Weg nach Hopa am Schwarzen Meer und von dort aus touren wir am Fuße des Kaukasus. Das Reisefieber steigt und wir können es noch kaum glauben, dass wir bald wieder die endlosen Weiten des Ostens sehen werden. Noch stehen die beiden Eintöpfe in der Garage und sind probebepackt. Udos Gesamtgepäck wiegt über 50 kg und meines 22 kg. Wir suchen immer noch nach packtechnischen Diätmaßnahmen, können aber leider keine finden. Abends um 22.00 Uhr haben wir es geschafft. Der Pössl ist beladen, die Motorräder stehen ohne Lenkergewichte zum Verladen da und wir widmen uns bis Mittwoch unserer Haupttätigkeit, nämlich das Schuljahr mit all seinen Anforderungen noch "anständig" zu Ende zu bringen.

 

Es geht endlich los!

 

Noch sitzen wir im Büro, verabschieden uns von den Kolleginnen und Kollegen und von unseren Schülerinnen und Schülern. Heute Nachmittag müssen die beiden Eintöpfe noch auf den Hänger geladen werden, gestern Abend haben wir das nicht mehr geschafft. Ein Rädchen greift ins andere, jeder Handgriff muss nun stimmen, die Zeit zerrinnt zwischen den Fingern und die Fähre der Minoan Lines in Ancona wartet nicht.

Um 8 Uhr abends ist endlich alles startklar. Für die 1000 km bis zum Fährhafen bleiben uns noch gute 16 Stunden. Das müsste reichen – selbst mit einem kleinen Nickerchen unterwegs.

Wir melden uns dann aus der Türkei wieder. Bis bald!

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